Ingwer
Foto: Jutta Klapper

Ingwer - das Multitalent

Wissensspeicher Elisabeth Hiver

Ingwer ist eine wahre Powerknolle. Nicht nur gegen Viren und Bakterien, sondern auch bei Übelkeit und Muskelverspannungen ist die scharfe Wurzel hilfreich.
 

Heilpflanze des Jahres 2018

Ingwer wird bereits seit Jahrtausenden in der chinesischen Medizin als Heilpflanze eingesetzt. Ebenso ist er aus der tibetischen und ayurvedischen Medizin nicht mehr wegzudenken.
Botanisch gesehen handelt es sich beim Ingwer um einen Wurzelstock (=unterirdisch verdickte, knollige Triebe). Die Pflanze erinnert mit ihren schmalen Stängeln und Blättern an Schilf. Geerntet wird der Ingwer indem man die Knollen aus der Erde zieht, von anhaftendem Erdreich befreit und anschließend in der Sonne trocknet. Ursprünglich kommt die Pflanze aus dem asiatischen Raum, einer der größten Ingwerproduzenten heutzutage ist beispielsweise  Indien. Über die alten Handelswege gelangte der Ingwer dann nach Europa. Arzneiliche Verwendungen werden außer von Paracelsus und dem berühmten Arzt Dioskurides auch von Hildegard von Bingen erwähnt. Die Verwendung des Ingwers als Gewürz und Heilmittel erfreut sich auch im westeuropäischen Raum zunehmender Beliebtheit.


Aromatisches, ätherisches Öl und Scharfstoffe

Arzneilich von Interesse sind die im Ingwer enthaltenen Scharfstoffe. Daneben wird das mittels Wasserdampfdestillation gewonnene zitronig-fruchtig riechende Öl in der Aromatherapie verwendet.
Alleine oder auch zusammen mit anderen Ölen lässt sich das milde, hautfreundliche Öl als  Massageöl gegen Bauchkrämpfe einsetzen. Vermischt man wenige Tropfen Ingweröl mit Mandelöl, so erhält man ein wohltuendes Massageöl, das bei Gelenkbeschwerden  aber auch gegen Muskelverspannungen hilfreich ist.
Von herausragender Bedeutung sind die im Ingwer enthaltenen Scharfstoffe.
Sie regen bereits auf der Mundschleimhaut die Wärmerezeptoren an, in der Folge erhöht sich die Speichel- und Magensaftsekretion, der Appetit wird angeregt und die Verdauung gefördert. Erwiesen sind auch die antimikrobiellen (=wirksam gegen Bakterien) und antiviralen( =wirksam gegen Viren) Eigenschaften des Ingwers, dies lässt ihn in der Erkältungszeit zu einem zuverlässigen Hausmittel werden. Selbst die verschnupfte Nase wird nach dem Genuss von Ingwer wieder frei.

Medizinisch genutzt wird auch die antiemetische (gegen Erbrechen) Wirkung des Ingwers, hier hat er sich sowohl bei Reiseübelkeit als auch bei akutem Unwohlsein bewährt und stellt eine echte Alternative zu chemischen Arzneistoffen dar, die als Nebenwirkung häufig starke Müdigkeit verursachen. Wer den scharfen Geschmack des Ingwers nicht mag, der kann sich in der Apotheke auch mit ingwerhaltigen Kapseln versorgen.  
Inhaltsstoffe des Ingwers haben einen positiven Einfluss auf Entzündungsprozesse, was ihn als Zusatztherapeutikum gegen Rheuma interessant macht. Die Schmerzempfindung wird ebenfalls verringert, in der ayurvedischen Medizin setzt man den Ingwer deshalb zur Behandlung der Migräne ein.
Sehr interessant ist auch eine Studie, die Patienten nach Entfernung der Gaumenmandeln zusätzlich mit ingwerhaltigen Kapseln versorgt hat. Die „ Ingwergruppe“ profitierte neben einer geringeren Schmerzempfindung von einer deutlich schnelleren Wundheilung.

Wer sollte lieber auf Ingwer verzichten

Da Ingwer auch die Gallensaftproduktion anregt, sollten Gallensteinträger besser auf Ingwer verzichten, denn bei Ihnen könnte ein Gallenstein in den Gallengang gespült werden, hier stecken bleiben und eine äußerst schmerzhafte Gallenkolik wäre die Folge. Auch wer zu Sodbrennen neigt und empfindlich auf scharfe Speisen reagiert, verzichtet besser auf Ingwer. Da Ingwer auch blutverdünnende Eigenschaften hat, ist die Verwendung der ansonsten gesunden Knolle für Menschen, die blutverdünnende Medikamente nehmen, leider tabu.

Ingwertee
Foto: Jutta Klapper

Ingwer-Tee richtig zubereiten

Damit möglichst viele der wertvollen Inhaltsstoffe des Ingwers ins Teewasser übergehen, sollte man den Ingwer nach dem Schälen zunächst in dünne Scheiben schneiden und hieraus dann kleine Stifte herstellen. Diese übergießt man anschließend mit kochendem Wasser und lässt den Tee mindestens 5 Minuten ziehen. Wer es ein bisschen schärfer mag, verlängert einfach die Ziehzeit um weitere 5-10 Minuten. Nach Belieben kann man den Tee mit Honig, Zitrone und frischer Minze abrunden.

 

Zurück