Sternanis
Foto: Sonja Voits

Sternanis

Wissensspeicher Sonja Voits

Sternkapsel mit winterlicher Gewürz- & Geschmack-Power

An immergrünen Bäumen blühen zunächst unscheinbare weißlich gelbe Blüten, die an Magnolien erinnern, die nicht erahnen lassen, was für ein einzigartiges Gewürz hier entsteht. Erst nach der Ernte, sobald die Frucht verholzt und die kleinen Samen in den Kapseln sich honiggelb verfärben, entwickelt sich das typische, unverkennbare Aroma. Es erinnert an Gebäck, Punsch, an Winter und an gemütliche Momente am Kamin: Das Aroma von Sternanis.

Geschichte

In Europa hat Sternanis hauptsächlich in der Vorweihnachtszeit Saison, nicht nur in der Küche, sondern auch als Schmuck- und Dekobedarf verzieren und verschönern die Kapseln so manches Weihnachtsfest.
In Asien ist der Sternanis schon seit mehr als 3000 Jahren als vielfältig einsetzbare Pflanze bekannt.
Zum einen als Gewürz, wobei es z.B. eine Grundlage des berühmten "5-Spices-Gewürzes" darstellt, das so manchem vietnamesischen Gericht seine typische Note verleiht zum anderen als Heilmittel aufgrund seiner entkrampfenden, schleimlösenden und reizhemmenden Wirkung.

Biologie

Der echte Sternanis zählt zu den Sternanisgewächsen und wächst als immergrüner Baum mit länglichen, ledrigen Blättern und weißlicher Rinde heran. Die magnolienartigen Blüten sind gelbcremefarben bis rosa. Alle Teile der Pflanze duften angenehm nach Anis. Die verholzende Fruchtkapsel besitzt meist die Form eines sechs- bis achtzackigen Sternes und weist eine korkartige Konsistenz auf. Die einzelnen schmalen Kapseln des Sterns sind etwa 1-2 dm lang und springen zur Reifezeit entlang der Fruchtwand auf, um je Kapsel einen honigbraunen Samen zu präsentieren.

Anwendung

Die Chinesen kennen den Sternanis schon seit 3000 Jahren als Heil- und Gewürzpflanze. Den Weg nach Europa hat die Pflanze erst im 16. Jahrhundert gefunden. In Japan ist der Baum heilig und wird daher oft in Tempelanlagen gepflanzt. Erst im 18 Jahrhundert gelangte die Frucht auch nach Europa und fand ihren Weg in die Apotheken.  

Um den vollen aromatischen Geschmack zu gewinnen verwendet man am besten die gerösteten Samen und nicht das bereits gemahlene Pulver. In Suppen verwendet man auch ganze, ungeröstete Sterne. Zur Intensivierung des Aromas können die Samen in einer Pfanne ohne Fett angeröstet und eventuell noch im Mörser angestoßen werden. Da die Ölzellen, mit dem Geschmacksträger, in der Fruchtwand der Sternfrucht liegen wird auch oft die ganze Sammelfrucht verwendet.

Sein Geschmack ist stärker als beim europäischen Anis, wobei die schärfere Komponente überwiegt und er zusätzliche süßliche, lakritzartige Noten enthält, so dass in der Küche der Sternanis als "all-round-talent" für würzige und auch süße Gerichte Verwendung findet.

Hauptgeschmacksträger und ebenso Hauptwirkstoff für die pharmazeutische Anwendung ist das Anethol. Es wirkt spasmolytisch im Magen-Darm-Trakt und bronchosekretolytisch und ist deswegen häufig ein Bestandteil in Magen-Darm-Therapeutika, Hustensäften oder Schnäpsen zur Verdauungsförderung nach einem schweren Mahl.

Verfälschungen

Mit den Shikimifrüchte von Illicium anisatum L. kommt es zum Glück nur selten zu Verwechslungen, da diese Früchte giftig sind. Makroskopisch unterscheiden sie sich durch etwas kleinere, dickere Früchte mit spitzer zulaufenden Einzelfrüchten. Sie schmecken bitter, säuerlich und weisen eine harzige Note auf. Im Vergiftungsfall kommt es zu Krämpfen, Durchfällen und Versiegen den Harnflusses.

Sternanis
Foto: Sonja Voits

Lagerung

In fest schließenden Glasgefäßen kühl und dunkel aufbewahren. Plastikgefäße würden von den ätherischen Ölen angegriffen werden.  So halten sich die ganzen, getrockneten Früchte bis zu 3 Jahre. Die einzelnen Samen sind nur wenige Wochen trocken gelagert haltbar.

Offizinell:
Fructus Anisi stellati
Stammpflanze:
Illicium verum HOOK. fil., Illiciaceae

 

Rezept für einen weihnachtlichen Punsch (ohne Alkohol):

  • 1 Liter Hagebuttentee
  • 5 Nelken
  • 3 Pimentkörner
  • 1 Prise Muskatnuss, gerieben
  • 1 Zimtstange
  • 6 Stück Sternanis
  • 4 EL Zucker
  • 300 ml Orangensaft
  • 3 EL Zitronensaft

Herstellung:
Gewürze in einen Teebeutel füllen, verschließen und im Hagebuttentee 1 Std leicht köcheln lassen. Im Anschluss das Gewürzsäckchen entfernen, Zucker und Säfte hinzufügen und warm servieren.

Hustentee

  •  50 g Spitzwegerich
  •  50g Holunderblüten
  •  3 ganze Sternanis
  •  10g Thymian

Den Sternanis leicht rösten (in der Pfanne ohne Fett), im Mörser anstoßen. Restliche Gewürze/Drogen untermischen,  10 min köcheln lassen und dann durch ein Sieb geben, nach Geschmack mit Honig süßen.

Magentee

  • 50g Kümmel
  • 50g Fenchel
  • 4 ganze Sternanis

Den Sternanis leicht rösten (in der Pfanne ohne Fett), im Mörser anstoßen. Restliche Gewürze/Drogen untermischen,  10 min köcheln lassen und dann durch ein Sieb geben, nach Geschmack mit Honig süßen.

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